Ausrede Geburtstag

Mein Geburtstag steht bevor und wer mit mir auf Facebook befreundet ist, wird womöglich gesehen haben, dass ich gleich zweimal Leute dazu eingeladen habe, ihn mit mir zu feiern. 

Ich möchte an dieser Stelle diverse “Warum?”-Fragen erklären. Warum überhaupt die offene Einladung an alle, die den Post lesen können. Warum die Erinnerung an die Einladung einige Tage später? Warum ist mir das Ganze überhaupt so wichtig und warum plane ich keine große Party irgendwo und lad jeden ein, der einen drauf machen will, sondern sag “kommt, wann ihr wollt”?
Nun, eine der Fragen wurde sogar schon gestellt und ich habe sie wahrheitsgemäß beantwortet: Die Erinnerung war einfach für die Leute da, die nicht jeden Tag auf Facebook rumhängen oder nicht jeden einzelnen Post lesen. Für die, die nicht Wochen vorausplanen, sondern halbwegs spontan entscheiden, was sie wann wie und wo machen. 
Und wer mich einigermaßen kennt, kann die Frage mit der Party recht gut selbst beantworten: ich bin kein Partygänger, Discos liegen mir nicht, sind zu laut und in meinen Augen alles andere als gesellig. Ohrenbetäubende Musik, die selbst durch Schreien nur selten übertönt werden kann, und Dutzende fremde Menschen, die einen auf engsten Raum zusammenquetschen – nicht gerade meine Vorstellung von einem angenehmen Abend unter Freunden. 
“Unter Freunden” ist darüber hinaus der nächste springende Punkt für mich. Mir geht es nicht darum, dass ICH Spaß habe und alle anderen Gäste nur Nebenakteure sind während ich die Hauptrolle spiele. Ich will mit meinen Freunden feiern, Teil einer Gemeinschaft sein, mich mit anderen austauschen und etwas machen, was uns allen Spaß macht. 
Mein Geburtstag ist dabei nicht mehr als ein Vorwand, ein Grund, eine Ausrede sich zu treffen. Ich bin nicht auf Geschenke oder Glückwünsche aus – wenngleich ich mich natürlich über beide freue! – ich will und brauche einen Anlass, aus meinem Trott auszubrechen, meine einsame Hobbithöhle wenn nicht zu verlassen, dann zumindest für andere zu öffnen. 
Als jemand, der lange Zeit kaum Freunde hatte und dem das Internet dann Bekanntschaften, Kameraden und Verbündete nicht nur in nahezu allen Bundesländern, sondern auch außerhalb Deutschlands verschafft hat, sind gerade Geburtstage eine sehr zweischneidige Angelegenheit. 
Soziale Konventionen diktieren einem geradezu, sie zu feiern, der Gruppenzwang unter Jugendlichen verstärkt dieses fast zu einem Wettbewerb, bei dem es mehr um den Ausdruck elterlicher Finanzstärke sowohl bei der Ausrichtung dieser “Events” geht als auch um die Größe, den Wert und die Zahl der Geschenke. Es geht weniger um die Zahl der Freunde als um den Grad der Bekanntheit und Beliebtheit. Es ist mehr Promi- als Kinder-Party und ich war mehr Kabelträger oder Statist als Oscarpreisträger. 
Auf der anderen Seite waren solche Anlässe auch immer eine Möglichkeit, besagte Freunde aus dem Internet zu besuchen oder von ihnen besucht zu werden. Es war auf lange Zeit planbar, kollidierte nur in äußerst seltenen Fällen mit wichtigen Familienfeiern und ließ sich problemlos – und ohne Naserümpfen der Mitmenschen – nachfeiern. 
Materielle Geschenke waren dabei meist nicht einmal von Belang. Man selbst, die eigene Anwesenheit, die zusammen verbrachte Zeit war Geschenk genug – selbst oder GERADE wenn man sie nur zum DVD-Schauen nutzte. 
Ich feiere meinen Geburtstag nicht, weil andere es so wollen oder weil ich mich in den Fokus der Aufmerksamkeit stellen möchte. Ich feiere, um Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. 
Und dafür ist mir jede Ausrede recht. 
PS: Mir ist natürlich klar, dass extrovertiertere Menschen als ich aus durchaus den gleichen Gründen feiern und ich will mit diesem Beitrag über niemanden außer mir selbst urteilen. Ich bin – und bleibe – ein ziemlich introvertierter Nerd, der weder perfekt ist, noch es sein möchte. Und der sich schon gar nicht für etwas besseres hält – auch wenn es leider oft so rüberkommen mag. Wofür ich mich an dieser Stelle explizit entschuldigen möchte. 

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