Vor fast zwei Jahrzehnten haben mein Bruder und ich unsere erste Konsole – eine Sony PlayStation – zu Weihnachten bekommen. Es folgten die PlayStation 2-4, mehrere Ausführungen der PSP und eine PS Vita. Abwechslung gab es nur durch die GameCube, die nun langsam genauso Staub ansetzt, wie ein Großteil meiner Konsolen.

Seit dem Frühjahr letzten Jahres habe ich nun einen PC. Es ist nicht mein erster überhaupt, aber der erste mit genug Power, um mehr als Solitaire drauf spielen zu können. Entweder mangelte es am Geld oder schlichtweg dem Interesse an einem leistungsstarken PC speziell für mich oder meinen Bruder. Und der “Wohnzimmer-PC” war mehr ein Office- und Internet-PC als alles andere. Videospiele wurden darauf äußerst selten gespielt – immerhin hatten wir dafür unsere Konsole(n). Das hat sich mittlerweile also geändert und seit etwa 1,5 Jahren wächst nicht nur meine Steam-Library unaufhörlich, sondern auch die Zeit, die ich allgemein am PC zocke. Gerade auch im Vergleich zu meiner Spielzeit auf der PS4.

Der plötzliche Sinneswandel kommt nicht von ungefähr. Aber auch nicht ohne seine Hürden und Probleme. Auf der einen Seite ermöglicht es mir, alte und neue Titel zu spielen, die mir auf der Konsole verwehrt bleiben. Auch die Preise sind nicht nur dank unzähliger Sales deutlich niedriger am PC. Dann natürlich auch die Verlockung durch Mods, allgemein mehr Einstellungsmöglichkeiten und natürlich dem Versprechen besserer Grafik und Leistung.

Die Kehrseite des Ganzen ist aber die Problematik des Aus- und Aufrüstens. Ganz zu schweigen von der Auseinandersetzung mit Windows, der richtigen Software und den passenden Treibern.
Ich habe mich bisher eigentlich als relativ sicher mit Computern gesehen. Und ich weiß bis zu einem guten Grad auch zumeist, was zu tun ist, sobald der PC denn einmal an ist.
Wahr ist, dass ich im PC- und Internetalter aufgewachsen bin und alles, was ich bisher brauchte, problemlos erledigen konnte – oder zumindest wusste, wo ich nachschlagen konnte, um mir fehlendes Wissen anzueignen. Geht es aber um die Technik und vor allem die Hardware, die das Ganze zum Laufen bringt, steh ich vor einem Turm voller Probleme.

Aus- und wieder einschalten? Klar, kein Problem. Den IT Crowd-Test besteh ich also zumindest. Kabel abstecken und wieder anschließen ist auch keine große Herausforderung. Der Kauf und die Erkennung des RICHTIGEN Kabels … vielleicht Thema einer anderen Diskussion (ich hab’s nicht so mit Namen … ). Bei allem darüber hinaus bin ich hoffnungslos überfragt, was für mich das ganze Gerede von der “PC Master Race” vor allem zu einem großen Hin- und Hergerenne werden ließ, als ich mir in den Kopf setzte, mir eine neue Grafikkarte kaufen zu wollen.

Wir reden hier übrigens bereits von der zweiten Karte seit Kauf des PCs, der ein reiner Office-PC ist und damit nur eine einfache Onboard-Grafikkarte besaß. Nachdem ich – mit einschlägiger Hilfe von Freunden, die sich tatsächlich mit PCs auskannten – die erste Auswechslung erfolgreich hinter mich gebracht hatte, wähnte ich mich sicher genug für einen alleinigen Versuch.

Und scheiterte nicht einfach nur auf ganzer Linie, sondern mehrfach auf jeder Etappe. Die Wahl der Grafikkarte war bereits mit viel Diskussionen und Nachfragen verbunden. Dann hatte ich außer Acht gelassen, welche Anschlüsse an meinen Monitoren waren und musste die Grafikkarte gegen eine andere austauschen.

Diese wiederum (wir sind bei Hindernis drei, für die, die mitzählen wollen), war zu groß für das bisherige PC-Gehäuse. Mit tatkräftiger Hilfe, einiger Recherche fand sich dann ein Shop, der ein zu meinem Motherboard passendes Gehäuse verkaufte. Nach Etappe fünf meines Leidens-/Pilgerweges – sprich dem Aus- und wieder Einbau aller Komponente stellte sich heraus, dass mein altes Netzteil ebenfalls ein Upgrade benötigte. Die richtigen Anschlüsse und – wie sich herausstellte – die nötige Power fehlten, um meine neue Grafikkarte mit Strom zu versorgen.

Ein weiterer – und zum Glück finaler – Tripp gefolgt von den letzten Handgriffen warfen alles, was dem Happy End im Wege stand und siehe da: alles funktionierte, der PC lief wie am Schnürchen und mein erster Bechmark-Test verdiente ein

over9000

 

Das Fazit des Ganzen: PC-Spieler haben vielleicht die günstigeren Spiele, aber auch deutlich mehr Arbeit. Die konstante Frage, ob (und wenn, wie gut) Spiel xx auf ihren Geräten läuft, verbunden die Plagerei mit DRM, Treibern und dem Betriebssystem ganz allgemein gleichen einem endlosen Teufelskreis, der gerade für (Quer-)Einsteiger wie mich mehr Frust als Abenteuer. Beides ist jedoch nichts im Vergleich zu dem figurativen Jenga-Spiel mit den Komponenten. Ein Balance-Akt, der viel Wissen und Recherche voraussetzt und – zu sehen anhand meines Marathons – durchaus ungeahnte Mehrarbeit nach sich ziehen können.

Was PC-Spieler bei der Software sparen, müssen sie regelmäßig in neue Hardware investieren, was durch den Zeitaufwand gleich doppelt kostet. Konsolenspieler haben diese Probleme nur bedingt und kaufen sich vielleicht alle fünf Jahre eine neue Konsole, die etwa so viel kostet wie eine mittelfristige Grafikkarte für den PC. Ansonsten ist es nicht sehr viel mehr als ein “Plug&Play”, auch wenn die Installations- und Updateprozesse seit der letzten Generation ähnliche Ausmaße wie auf dem PC angenommen haben.

Alles in allem bereue ich weder den “Prioritätenwechsel” noch das Upgrade meines PCs. Es macht die Aufnahme von Let’s Plays für YouTube und das Streamen auf Twitch um ein Vielfaches leichter und in dem Maße, wie ich es derzeit plane, überhaupt erst möglich.

Das TL;DR ist wohl: Zocken auf Konsolen ist einfach, stressfrei und macht Spaß, bietet aber bei weitem nicht die Möglichkeiten, die man auf dem PC genießen kann, wenn man willens ist, die Zeit und das Geld zu investieren.

 

 

3 thoughts on “PC Master Race?

  1. Naja, ich persönlich habe seit ca. 2 Jahren einen gamingfähigen PC (vor knapp einem Jahr mit einer halbwegs aktuellen Grafikkarte nachgerüstet) und ich habe ehrlich gesagt keinen wirklichen Zeitaufwand mit Treibern, Installation von Programmen etc. (aber natürlich ist es mit einer Konsole wesentlich einfacher), trotzdem gebe ich dir durchaus Recht in Deinen Betrachtungen. Wirklich guter Artikel!

    1. Danke danke🙂

      Ja, wirklich “viel” Zeit ist es auf Dauer eh nicht, was die Treiber und dergleichen angeht, aber für jemanden, der das alles nicht gewöhnt ist (oder der Spiel-Patches über Nacht herunterlädt und installiert) ist es halt schon einiges an “Mehrarbeit”. Wahrscheinlich einfach eine Art Übungssache. Wie oft muss ich nach Treibern schauen, welche Programme müssen upgedated werden etc…

      Mal schauen, was ich in ein/zwei Jahren zu dem Thema sage, wenn besser dran gewöhnt bin😉

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