“Leichte Rüstungen wiegen weniger als schwere”

Solche und andere… hilfreiche Tipps zieren heutzutage so manchen Ladebildschirm von Videospielen. Sie mögen vielleicht gutgeheißen sein, offenbaren auf der anderen Seite aber auch ein großes Problem: Die Entmündigung des Spielers.

Stundenlange Tutorials zu schlichten Action-Adventures, hunderte Hinweise auf Mini-Maps, während der Kämpfe oder einfach so zwischendurch geben einem geradezu das Gefühl, für ein Kleinkind gehalten zu werden, das zum ersten Mal ein Videospiel spielt und sich nicht selbstständig mit der Steuerung vertraut machen kann. Behält man dann noch die regenerativen Heilungsfähigkeiten der Hauptfigur, Checkpoints an jeder dritten Ecke und schier endlose Munitionsvorräte selbst in apokalyptischen Szenarien im Hinterkopf, kann es eigentlich nur noch einen Schluss geben:

Heutige Videospiele sind zu leicht.

Doch ‘Halt!’, mag der eine oder andere Zocker hier rufen, ‘Was ist mit Dark Souls und Ninja Gaiden und Konsorten?’ Beide Reihen sind berühmt geworden für ihren erbarmungslosen Gegner und ihren knackigen Schwierigkeitsgrad. In Wahrheit sind sie jedoch einfach genau das, womit viele von uns aufgewachsen sind.

Einen Kampf in Final Fantasy XIII verlieren ist nicht weiter tragisch – man kann ihn direkt wiederholen, ohne jeglichen Nachteil. In jedem Teil davor hieß es da noch, den letzten Speicherstand zu laden, der womöglich Stunden zurück lag. Autospeichern? So etwas gab es da noch nicht.

Batmans Martial-Arts-Fähigkeiten sind weithin bekannt und sollte der Spieler während eines Kampfes gegen 30 Gegner einmal vergessen, welche Knöpfe er zu drücken hat, erinnert ihn ein Tipp schnell daran. Ob man sich an sie hält oder nicht, ist da fast egal: das Ergebnis ist meist das Gleiche. Batman siegt und seine Lebensanzeige wird fast sicher wieder aufgeladen.

Sich durch ein Dutzend Gegner in Ninja Gaiden metzeln? Viel Glück. Mehr als drei Gegner in Dark Souls bekämpfen? Purer Wahnsinn, aber vielleicht sogar möglich. Beide Spielreihen Verlangen vor allem eines vom Spieler: Geduld. Wahllos auf die Buttons hämmern führt schnell zum eigenen Tod und nur wer geschickt ausweicht, blockt, pariert und angreift, hat eine gewisse Chance auf den Sieg.

Dazu muss man aber die Steuerung kennen und darf nicht durch ‘Tipps’ im Spiel abgelenkt werden. Spiele wie Dark Souls fordern die Spieler heraus und belohnen sie dadurch. Die Batman-Spiele sind eher ein Spaziergang durch den Park. Nur mit mehr Warnhinweisen, Schildern und Popups.

Batman und Konsorten mögen mehr Spaß machen, da der Frustfaktor geringer ist, doch wirkliche Befriedigung, das Spiel gewonnen, den Endboss besiegt zu haben, stellt sich nicht ein. Der Spaßfaktor beim Schauen eines Batman: Arkham Origins Let’s Plays war nur bedingt geringer als beim Selbstspielen der Vorgänger. Dark Souls, Ninja Gaiden und zu einem gewissen Grad Skyrim machen jedoch nur dann wirklich Spaß, wenn man selbst Hand anlegt.

In diesem Sinne: “Ein höherer Schwierigkeitsgrad bietet eine höhere Herausforderung.”

PS: Ich finde die Batman-Spiele nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Arkham Asylum und Arkham City haben mir jede Menge Spaß gemacht. Sie dienen hier nur als perfektes Paradebeispiel.

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