Testen – nicht bewerten

Aus aktuellem Anlass und weil mir die “Frage” immer wieder durch den Kopf geht, hier nun eine kleine Auflistung, warum ich Ratings jeglicher Art bei Reviews so weit es geht vermeide.

Die Punkte sind in keiner Weise sortiert und durchaus offen zur Diskussion😉

1) Der wohl egoistischste Punkt von allen direkt vorweg: Aus Autorensicht möchte ich natürlich, dass meine Rezension gelesen wird – und das möglichst komplett. Weiß der Leser aber bereits, dass es neben einem Fazit auch eine Zahlenbewertung gibt, kann die Hemmschwelle, den gesamten Text zu lesen, durchaus zu hoch werden und ich hätte mir ein zwei Drittel meiner Arbeit sparen können.

2) Absolute Bewertungen – im Sinne von Noten, Prozenten, x/y Punkten/Sternen oder was auch immer – sind nicht nur leicht zu lesen, sondern auch unmöglich zu verstehen. Bedeutet ein 9/10 jetzt, dass das Produkt für sich genommen fast perfekt ist und es – innerhalb des Produktes – nur wenige Kritikpunkte gibt, die dafür sorgen, dass es nicht perfekt ist? Oder heißt es, dass es in jedem Fall besser ist, als alles, was eine 8/10-Bewertung bekommen hat?

3) Kurz gesagt: Kann man Bewertungen vergleichen oder dienen sie nur dazu, Titel in sich selbst zu bewerten? Dem Namen nach trifft natürlich letzteres zu, jedoch sieht die Realität völlig anders aus. Nimmt man einmal die weite Welt der Videospielbranche, findet man an jeder Ecke Vergleiche zwischen Titeln rein anhand ihrer Punktebewertung. Und da ist es egal, ob der eine Titel ein Shooter für Konsole x ist und der andere ein Rennspiel für Handheld a. Unser Matheunterricht hat uns gelehrt, Brüche miteinander vergleichen zu können. Also tun wir das fleißig. Dass diese Zahlen nicht nur völlig abstrakt sind, sondern dazu auch noch die sujektive Meinung EINER Person widerspiegeln, die eigentlich nur den Titel an sich bewertet und zwar vielleicht über die Grenzen des Spieles,  aber sicherlich nicht über die Grenzen des Genres hinausdenkt – völlig egal.

4) Fehlende Genauigkeit. Auch wenn man sich nun dazu entschieden hat, ein Bewertungssystem zu nutzen, stellt sich noch immer die Frage, wie genau diese Bewertung ausfallen soll und wie gewertet wird. Je geringer die Auswahlmöglichkeit, desto schwieriger wird die Entscheidung. Ist das nun 4/5 Sternen wert oder doch nur 3? Oder kann ich vielleicht 3,5 Sterne vergeben? Das wäre dann aber eine 7/10 Wertung und ist die denn noch genau genug? Denn vielleicht habe ich einen ähnlichen Titel bereits eine 7/10 gegeben, aber der Titel jetzt ist halt etwas besser/schlechter. Vielleicht sollte ich lieber eine 7,5/10 geben, einfach zur Sicherheit… Das Ganze lässt sich fast endlos weiterführen, bis man irgendwann an den Punkt kommt, wo man sagt: Und wie soll man jetzt sagen können, ob das nun 92% und nicht 93% sind? Macht das überhaupt noch einen Unterschied oder versucht man einfach nur, ein wenig Abwechslung ins Spiel zu bekommen?

5) Bereits erwähnt: Ein Test ist IMMER subjektiv, egal, wie sehr man als Autor noch versucht, seine eigenen Vorlieben hintenanstellen zu wollen. Jeder achtet auf andere Dinge bei, bevorzugt dieses oder jenes und wertet und bewertet all das dementsprechend. Vergibt man am Ende dann eine Wertung, entfällt jegliche Subjektivität. Das Ergebnis ist absolut. Jegliche Diskussion ausgeschlossen, der Autor MUSS sich auf einen Wert festlegen und kann schlecht nach einer Woche seine Meinung ändern. Der geschriebene Test an sich hat viel mehr Möglichkeiten, gute wie schlechte Seiten zu zeigen. Zu differenzieren und einen möglichen Widerspruch zwischen unterschiedlichen Punktebewertungen zu erklären.

Wahrscheinlich gibt es noch mehr Argumente gegen eine absolute Bewertung und sicherlich gibt es diverse Gründe, warum man sich dafür entscheiden könnte, aber ich wollte hier nur einmal einige anführen. Meine Reviews werden auch in Zukunft ohne Bewertung bleiben. Und das nicht nur, damit sie komplett gelesen werden😉

2 thoughts on “Testen – nicht bewerten

  1. Sehe ich ähnlich. Mag einige Spiele die nicht gut bewertet worden sind. Als Beispiel möchte ich hier Mystic Quest auf dem SNES aufführen. Macht mir richtig Laune, obwohl es nur 7/10 bewertet wurde. Scheiss drauf. Jeder Mensch sieht sowas anders wenn er sich nur die Mühe macht und sich das Spiel anschaut.

    Andere 9,5/10 Titel lassen mich völlig kalt. Beste Beispiele ist die GTA Reihe oder Assassins Creed.

    1. ich für meinen Teil liebe die “Assassin’s Creed”-Reihe, hasse aber deren Multiplayer. Wenn ich jetzt also ein Review zu einem der Spiele schreiben sollte, müsste ich das Spiel schlechter bewerten als ich es will. Oder ich müsste die Bewertung aufteilen, also zwei Werte für ein Spiel angeben, bzw. einen eigenen Test für den Multiplayer machen – womit ich aber kein “Gesamtbild” des Spieles mehr hätte….

      Aber ja, manche Titel, die in der Öffentlichkeit unter den Tisch fallen, sind die wirklich großartigen Titel und verdienen es nicht, unter dem “Einheitsbrei” und den “gepushten” Titeln unterzugehen….

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