Review: Wolverine – Der Weg des Kriegers

Eines kurz vorweg: Ich bin kein Experte, was das Marvel-Universum angeht und die Zahl der Comics, die ich gelesen habe, ist absolut überschaubar. Aber ich kenne einige Leute, die sich damit auskennen, und außerdem gibt es Google und Wikipedia.

Ich wusste also schon ein wenig, was mich beim zweiten Solo-Abenteuer von Wolverine erwarten würde, wusste um die durchaus tragische Geschichte um ihn und Mariko. Auch kannte ich einige Details um Logan und Jean Grey und die Ereignisse, die chronologisch nach X-Men 3 stattfinden würden. 

Wie sich herausstellen sollte, war dieses Vorwissen sowohl Segen als auch Fluch, hat es mir doch geholfen, einige Sachen überhaupt zu verstehen und gleichzeitig Probleme zu erkennen, die der Film aufgeworfen hat.

Story

Der Film spielt hauptsächlich nach den Ereignissen von X-Men: Der Letzte Widerstand (X-Men – The Last Stand). Sowohl Scott Summers (Cyclops) als auch Jean Grey (Phoenix) sind zu diesem Zeitpunkt tot. Wer die Nachspänne des Filmes gesehen hat, weiß zudem, dass Charles Xavier (Professor X) wieder/noch lebt und Eric Lehnsherr (Magneto) erneut seine Kräfte erlangt hat.

Logan (Wolverine) fristet ein Leben als Einsiedler, versteckt in Höhlen und geplagt von seinen Erinnerungen. Allen voran seinem Mord an Jean Grey – auch wenn er damit unzähligen Menschen – und Mutanten – das Leben gerettet hat.

Apropos Leben retten: Während des Zweiten Weltkrieges überlebte ein japanischer Soldat den Atomangriff auf Nagasaki nur durch Wolverines Hilfe und er ist es, der Logan nach Japan führt. Der nun ergreiste Yashida (gespielt von Haruhiko Yamanouchi) ist Oberhaupt eines gigantischen Firmeniperiums und liegt im Sterben. Sein letzter Wunsch? Wolverine zu sehen und von ihm Abschied nehmen.

Was verhältnismäßig ruhig beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer recht verworrenen und nicht immer stimmigen Geschichte. Yashida bietet Wolverine an, ihn von seinen Heilungskräften zu “erlösen” und selbst unsterblich zu werden. Mariko, dessen Enkelin, wird von Yakuza gejagt und muss sowohl von Shingen (Hiroyuki Sanada) als auch Wolverine beschützt werden. Und auch Wolverine selbst scheint nicht mehr sicher, seit ihm  Yashidas Ärztin ein wenig zu nahe gekommen ist und ihm seine Heilungskräfte geraubt hat.

Soweit einmal zur Story, da sie selbst auch gar nicht das Problem des Filmes ist. Vielmehr stören mich die Ungereimtheiten und Logiklöcher, die größtenteils durch kleine Szenen hätten erklärt werden können. Denn so wie der Film zu diesem Zeitpunkt gemacht ist, widerspricht er nicht nur dem ersten Wolverine-Film, sondern auch in großen Teilen der gesamten X-Men-Trilogie, in die sich der Film eigentlich hatte eingliedern wollte.

(Obligatorische Spoilerwarnung! Weiterlesen auf eigene Gefahr😉 )

Problem 1:

Victor alias Sabretooth. Logans Bruder taucht im Film gar nicht auf, obwohl die beiden im Zweiten Weltkrieg noch Seite an Seite gekämpft haben müssten. Keine große Sache, aber noch immer ärgerlich.

Problem 2:

Logans Erinnerungsvermögen. Zwar beginnt sich Logan während der X-Men-Trilogie mehr und mehr an seine Vergangenheit zu erinnern, doch geschieht dies hauptsächlich durch Xaviers bzw. Jean Greys Hilfe. Beide sind – soweit es Logan betrifft – tot und eine plötzliche Heilung wird nie erklärt. Sprich: Logan dürfte sich gar nicht an den zweiten Weltkrieg, geschweige denn Yashida, erinnern. Der kurze Rückblick/Traum zu Beginn des Filmes mag zwar als “Erklärung” gedacht sein, ist dann aber doch etwas weit hergeholt.

Problem 3:

Shingens Beweggründe.  Sein Charakter hat mich noch am meisten irritiert, gerade was seinen doppelten Sinneswandel angeht. Weder wird erklärt, warum er Viper hilft (und damit Mariko in Gefahr bringt), noch ist völlig klar, warum er dann wieder zur Besinnung kommt, nachdem Mariko ihn aus Selbstschutz verletzt. Seine Treue zu Yashida und seine Liebe zu Mariko stehen im krassen Konflikt zu einander und statt diesen Konflikt als mögliche Charakterentwicklung zu nutzen, erscheint Shingen als “Fähnchen im Winde”.

Problem 4:

Der silberne Samurai. Bis zum wirklichen Showdown und der Aufklärung am Ende reichlich zu kurz gekommen, auch wenn während der Beerdigung auf ihn angesprochen wird. Viel schlimmer ist jedoch sein eigentlicher “Zweck” und damit das nächste Problem.

Problem 5:

Logans Heilungskräfte. Yashida überlebt angeblich auf Grund des Adamantiums, es sind de facto seine genauen Worte. Logan ist jedoch bereits über 100 Jahre alt, als er sich der Operation unterzieht, die wir im ersten Wolverine-Film gesehen haben. Seine Mutation ist nicht das Adamantiumskelett, sondern sein gesamter Stoffwechsel. Auch seine Krallen – egal ob aus Knochen oder Metall – sind nicht er Kern seiner Kraft. Der gesamte “Endkampf” ist damit ein einziges Logikloch.

Problem 6:

Yashidas Rettung. Einmal davon abgesehen, dass Yashida – im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten – keinen Seppuko (den traditionellen Selbstmord unter Samurai) begeht und er für ein Strahlungsopfer auch erstaunlich lange überlebt und offenbar gesunde Nachkommen hat, stellt sich vor allem auch die Frage, warum sein Lebensretter nicht mehr Anerkennung genießt. Yukio – selbst eine Mutantin – scheint als einzige wirklich dankbar zu sein für Wolverines Tat. Und das, obwohl sie nicht einmal verwandt ist mit Yashida. Ich mag die japanische Kultur vielleicht nicht komplett verstehen, aber zumindest ein gewisses Maß an Dankbarkeit wäre doch nur logisch oder? Vor allem, da Yashida sein Überleben offenbar nicht als Schande sieht und auch seine Kinder sich nicht von ihm distanzieren. (vielleicht kann mir das jemand erklären, ich verstehe es zumindest nicht.)

Problem 7:

Laut des Filmes verliert Logan seine Metallkrallen – wobei die Knochen natürlich nachwachsen. Der Nachspann zeigt, dass X-Men: Days of Future Past NACH diesen Ereignissen stattfindet. Wie und wann bekommt Wolverine also seine Adamantiumkrallen zurück, die er in dem Film eindeutig hat?

Sieben größere oder kleinere Probleme und ich bin mir sicher, dass ich einiges sogar noch vergessen habe. Was ein guter Versuch hätte werden können, die verschiedenen Universen zusammenzuführen (nachdem man im ersten Wolverine einen kahlköpfigen Xavier ohne Rollstuhl gesehen hat), ging leider völlig nach hinten los und hat nur noch mehr Probleme ausgelöst. Bleibt nur zu hoffen, dass zumindest ein PAAR der Sachen in der Extended Edition besser (oder überhaupt) geklärt werden. Jedoch gibt es diese nur als 2D-Zugabe zur 3D-Bluray – ein weiterer Faktor, den ich bei diesem Film nicht verstehe.

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