PR-Desaster und vergessene Versprechen

2013 war sicherlich kein leichtes Jahr für die XBox ONE, vor allem im direkten Vergleich mit Sonys PlayStation 4.

Nicht nur, dass Sony schneller bei der Erstankündigung war, sie haben bei der so wichtigen E3 die Konkurrenz fast in allen Punkten geschlagen.

Was bei der E3 passiert ist? Nun, die Pressekonferenz von Microsoft war vor der Sonys, womit letztere vielleicht DEN entscheidenden Vorteil herausziehen konnten. Denn Microsoft plante etwas, was es so auf dem Markt durchaus schon erfolgreich gibt: Regelmäßige Internetabfragen und einmalige Registriercodes für Spiele. VALVE macht dies auf dem PC bereits seit Jahren und kaum einer stört sich daran. Bei den Konsolenspielern waren beide Ideen aber absolute Lustkiller, vor allem als es dann noch hieß, dass Kinect nicht nur immer angeschlossen sein müsse, sondern auch dann noch alles registriere, wenn die XBox ausgeschaltet ist. Aus dem Grund nämlich, um die Konsole direkt per Sprachbefehl einzuschalten und nicht erst den Controller bemühen zu müssen.

Mit den ans Tageslicht gekommenen Abhöraffären diverser Geheimdienste war dieses Vorhaben an sich schon zum Scheitern verurteilt und Microsoft PR-technisch zu diesem Zeitpunkt bereits am Boden.  Und dann kam die Pressekonferenz von Sony und Jack Trettons großer Auftritt.

http://www.youtube.com/watch?v=tRm3IKkG-hc

Der minutenlange Applaus bei einem sonst so verhaltenen Publikum aus Journalisten, Jack Trettons Grinsen und sein “Seems like this is a good thing” (dt. “Scheint, als sei das was Gutes”) machen deutlich, welch Wirkung diese Pressekonferenz hatte – dazu noch das kurze Video zum “Sharen von Spielen” und für die kommenden Wochen war Sony im Next-Gen-Himmel, während Microsoft einen Spießrutenlauf durch die Journalistenhölle bestreiten durfte. Es dauerte nicht lange, bis all jene Funktionen – die sicherlich ihre Berechtigung und Sinn hatten – abgeschafft wurden, um nicht zu viel Boden zur dann auch noch günstigeren PS4 zu verlieren. Microsoft hat etwas gewagt und für den Moment verloren, doch man möge sich eine Generation zurückerinnern:

Damals warb Sony noch damit, dass man auf der PlayStation 3 alternative Betriebssysteme installieren könne – ein Punkt, den die Linux-Gemeinschaft ungemein erfreut hat. Heute kann das keine PS3 mehr. Oder – um nicht ganz so weit in die Vergangenheit zu reisen – der Hack des PlayStationNetworks im Frühjahr 2011. Über den ersten Fall spricht heute niemand mehr. Und auch der Hack wird wenn nicht vergessen, dann doch zumindest nur den wenigsten aktiv in Erinnerung bleiben.

Die Folgen des PR-Wahnsinns werden für Microsoft wohl bald nicht mehr relevant sein. Wenn es zu einem Schaden gekommen ist, dann in diesem Jahr – und Microsoft wird ihn in den ersten Wochen und Monaten anhand der Verkaufszahlen durchaus spüren. Auf lange Sicht profitiert davon nur der Journalismus, der sich – wie ich hier – über Sinn und Unsinn solcher Aktionen auslassen kann. Habe ich es im Sommer noch als Wortbruch, den es zu bestrafen galt, gesehen, ist es mir heute, wenn nicht egal, dann doch einfach nicht mehr so wichtig. Als nächstes wird vielleicht Sony ähnliches versuchen und möglicherweise sind die Spieler (und die Internet-Infrastruktur) dann so weit, dass sie sich auf solche Ideen einlassen.

Bis dahin heißt es wohl: Popcorn rausholen, die Diskussionen genießen und so sachlich wie möglich bleiben, wenn man sich selbst beteiligt😉

 

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